• Erfahrungen aus dem Handel

    Wir waren neugierig und haben Händler zu dem Thema "Vernetztes und autonomes Auto" befragt.

Kurz nachgehakt

Fragen an Peter Gerards - Ruhrdeich Holding GmbH

Commerz Finanz: Wartung „on the go“: System-Check und Instandhaltung per Internet während der Fahrt. Bedrohen diese Möglichkeiten Ihr Verkaufskonzept oder sehen Sie sie als Chance zur Weiterentwicklung?

Peter Gerards: Das Auto ist nach wie vor des Deutschen liebstes Kind. Der deutsche Autofahrer hat außerdem ein stark ausgeprägtes Sicherheitsdenken. Zwar kann ich mir nicht vorstellen, dass der Verbraucher die Kontrolle über Wartung und Reparaturen vollständig dem Auto überlässt. Ich sehe es aber als Vorteil, wenn sich das Auto bei der Fälligkeit bestimmter Wartungs- und Reparaturarbeiten meldet. Bietet ein Autohaus einen guten Kundendienst, muss es sich keine Gedanken machen, dass der Kunde unterwegs zu anderen Anbietern abwandert. Im Gegenteil: Die Wartungstreue wird zunehmen, wenn das Auto seinen Besitzer darauf aufmerksam macht, dass die Bremsen kontrolliert werden müssen oder ein Ölwechsel fällig ist. Der auf Sicherheit bedachte deutsche Autobesitzer wird diese Art der Kommunikation stärker wahrnehmen als die heutige gängige Information per Mail, SMS oder Anruf. Für Autohäuser, die mit der Zeit gehen, ist das definitiv eine Chance.


Commerz Finanz:
Was ist momentan schon möglich und wie lange dauert es noch, bis die neuen Funktionen nicht nur für Fahrzeuge der Luxusklasse erhältlich sind?

Peter Gerards: Verbraucher und Fuhrparkleiter sind heute schon neugierig auf die neuen vernetzten Funktionen. In der Zukunft wird das Auto mitdenken und Sekretariatsfunktionen übernehmen. Das muss natürlich alles mit dem deutschen und europäischen Datenschutz in Übereinstimmung gebracht werden. Die Service- und Verkaufsberater stellt diese Entwicklung vor neue Herausforderungen. Schließlich sind sie es, die die Fragen der Kunden beantworten und ihnen die Funktionalitäten erklären. Das ist natürlich auch eine Chance. Denn eine gute Beratung stärkt wiederum die Kundenbindung.


Commerz Finanz: Stichwort Geolokalisierung: Das vernetzte Auto zeigt nach Bedarf die Preisangebote der umliegenden Werkstätten an und vereinbart selbständig einen Termin.
Befürworten Sie die Möglichkeit, Ihr Unternehmen auf den „Radar“ der Autofahrer zu setzen und so Neukunden zu gewinnen?

Peter Gerards: Der Werkstattbesuch ist gewissermaßen wie ein Termin bei einem Arzt. Das hat mit Vertrauen zu tun. Die Verbraucher werden sich nicht direkt von ihrem Auto vorschreiben lassen, wo die Wartung zu erfolgen hat. Fakt ist aber auch, dass die Leistungen rund um das Auto immer transparenter werden. Dies betrifft das Pricing ebenso wie Wartungs- und Reparaturkosten. Und das ist gut so. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Verbraucher künftig nur nach der günstigsten Bremsenreparatur suchen. Entscheidend für den Service und damit die Kundenzufriedenheit sind gut ausgebildetes Personal, die Qualität der Leistungen und hochwertige Produkte. Wer heute eine gute Servicequalität bietet, wird auch morgen sein Geschäft machen.


Commerz Finanz: Wie wichtig wird Kundenbindung zukünftig sein?

Peter Gerards: Manche Dinge bleiben wichtig. Und dazu gehört die Bedeutung der Kundenbindung. Sie war gestern wichtig und wird es auch noch morgen sein. Der Verkauf von Autos und die damit verbundenen Serviceleistungen sind ein beratungsintensives Geschäft. Preise und Testergebnisse sind per Mausklick schnell zu vergleichen. Schlussendlich gehört zu einem abgerundeten Service aber mehr – von der Inzahlungnahme über Finanzdienstleistungen, hochwertigen Werkstattservice bis hin zu Versicherungsprodukten. Der Mensch ist hier nicht zu ersetzen. Kundenzufriedenheit ist der Schlüssel für den Erfolg.


Commerz Finanz:
Stichwort Big Data: Das intelligente Auto sammelt Daten zu Nutzungsgewohnheiten und Zustand des Fahrzeugs. Für welche Zwecke können Sie die Fahrzeugdaten nutzen?

Peter Gerards: Wichtig ist zu klären, was rechtlich künftig möglich sein wird. Hier ist der Gesetzgeber gefragt, sinnvolle Datenschutzregelungen zu erarbeiten. Die Daten können für viele nützliche Dinge eingesetzt werden. Dazu gehören sowohl Service- und Wartungsaktionen, als auch Ersatzteil- und Zubehöraktionen, die mit dem einzelnen Fahrzeug zusammenhängen. Aber auch Rückrufaktionen für bestimmte Fahrzeugkomponenten können im Ernstfall überaus sinnvoll sein. Das vermittelt dem Kunden auch ein Gefühl von Sicherheit. Dafür ist es notwendig, dass der Hersteller Zugriff auf die Motordaten hat. Insgesamt wünsche ich mir einen Austausch der Daten und Informationen in beide Richtungen: vom Fahrzeug zum Hersteller und umgekehrt. Die rechtlichen Voraussetzungen dafür zu schaffen ist eine der zentralen Herausforderungen.


Commerz Finanz:
Kann die Anonymität der Autofahrer bei der Auswertung der Daten gewährt werden?

Peter Gerards: Klar ist, dass der Verbraucher bei der Auswertung der Daten nicht anonym bleibt. Der Verbraucher hat die Wahl, mitzumachen oder eben nicht. Das ist vergleichbar mit der Nutzung von Facebook. Möchte der Kunde seine Daten über vernetzte Funktionalitäten zielgerichtet nutzen, muss ihm bewusst sein, dass diese zum Teil auch für Dritte zugängig sind. Ein transparenter Datenschutz ist ebenso wichtig wie die Aufklärung der Verbraucher.


Commerz Finanz:
Welche Vorteile des autonomen Autos sehen Sie?

Peter Gerards: Autonome Autos sind eine zusätzliche Option, sich fortzubewegen. Das gilt für Menschen, die im Straßenverkehr unsicher sind. Aber auch für alle anderen wird das Fahren in unserer schnelllebigen Gesellschaft bequemer und sicherer. Es besteht keine Gefahr mehr durch Ablenkung. Kommunikation ist ein weiterer Vorteil. Wenn das Auto anfallende Wartungen rechtzeitig ankündigt, erhöht das ebenfalls die Sicherheit. Dies betrifft den regelmäßig anfallenden Ölwechsel ebenso wie das Anzeigen abgefahrener Reifen. Ein weiterer Vorteil ist die höhere Transparenz – zum Beispiel für die Preise von Inspektionen, Reifenwechsel oder den Austausch von Scheiben. Die grundsätzliche Frage ist, ob und wie schnell der Verbraucher das eigene Lenkrad loslässt.


Commerz Finanz:
Und welche Herausforderungen sehen Sie?

Peter Gerards: Die Information der Kunden rund um das autonome Auto wird enorm wichtig werden. Das setzt sehr gut geschulte Autoverkäufer und Servicemitarbeiter voraus. Die Kundengespräche werden deutlich länger dauern. Bereits heute sind beim Verkauf von Elektroautos viel mehr Fragen zu beantworten als bei herkömmlichen Fahrzeugen. Da müssen auch die Hersteller umdenken, indem sie Beratung und Information in der Zusammenarbeit mit den Autohäusern stärker in den Vordergrund stellen. Das gilt auch für monetäre Anreize. Letztlich werden sich auch die Ausbildungsberufe mehr in Richtung Datenkommunikation verändern. Die Einführung autonomer Autos steht insgesamt für ein neues Zeitalter.


Commerz Finanz:
Was glauben Sie, wie werden Ihre Kunden die neue Art des Autofahrens aufnehmen?

Peter Gerards: Die Kunden werden vom autonomen Auto begeistert sein. Es wird allerdings eine gewisse Zeit dauern, bis sie bereit sind, das Lenkrad loszulassen.


Commerz Finanz:
Was glauben Sie, wie werden Ihre Kunden die neue Art des Autofahrens aufnehmen?

Peter Gerards: Bis 2018 werden die Hersteller die ersten vollautonomen Autos entwickelt haben. Bis die zulassungs- und versicherungsrechtlichen Rahmenbedingungen geklärt sind, wird dagegen noch mehr Zeit vergehen. Ich gehe davon aus, dass 2020 die ersten autonomen Autos auf den Straßen fahren werden. In Deutschland wird dies aufgrund der besonders ausgeprägten Sicherheitsstandards erst später der Fall sein. Hier halte ich einen Zeitraum von fünf bis acht Jahren für realistisch. Eine flächendeckende Einführung hängt auch vom Preis ab. Denn der deutsche Verbraucher schaut aufs Geld.


Commerz Finanz: Wer ist aus Ihrer Sicht prädestiniert, ein autonomes Auto zu entwickeln und auf den Markt zu bringen? Traditionelle Autohersteller oder neue Player wie Google, Apple und Co. Und warum?

Peter Gerards: Die Automobilhersteller werden sich im Zweifel gemeinsam an einen Tisch setzen, um bei der Markteinführung autonomer Autos schneller zu sein als die IT-Hersteller. Denkbar wäre auch, dass Apple oder Google einen Hersteller übernimmt und das eigene Know-how bei der Auswertung und Monetarisierung fahrzeuggenerierter Daten mitbringt.

Fragen an Alexander Bugge - MeinAuto GmbH

Commerz Finanz: Ist das intelligente Auto schon auf dem Massenmarkt angekommen? Wer sind die typischen Kunden, die an der Vernetzung interessiert sind?

Alexander Bugge: Jüngere Kunden werden bald schon viele Features des vernetzten Autos voraussetzen und ein Auto sonst nicht kaufen. Diese Funktionalitäten werden durch die zunehmende Vernetzung ein noch höheres Niveau erreichen. Das gilt beispielsweise für eine verbesserte Navigation, in die Stauinformationen von Google eingespielt werden und für das Abspielen von Musik über Streaming-Dienste aus dem Smartphone. Eine weitere Innovatoren-Gruppe sind Geschäftsleute, die viel Zeit im Auto verbringen. Auf längere Sicht ebenfalls interessant sind junge Menschen, die aktuell zwischen 20 und 30 Jahren alt sind. Sie müssen jedoch erst noch in das Neuwagen-Alter hineinwachsen. Oder die Neuwagen müssen erst zu Gebrauchtwagen und damit günstiger werden.

Commerz Finanz: Sind Ihre Kunden bereit, für die smarten Funktionen mehr Geld zu bezahlen?

Alexander Bugge: Anders als Geschäftskunden sind private Käufer nur bedingt bereit, für die Funktionalitäten mehr zu bezahlen. Nur ein offensichtlicher Mehrwert rechtfertigt einen Aufpreis. Es wird nötig sein, die Funktionen in eine Serienausstattung zu integrieren, da sie in absehbarer Zeit als Voraussetzung für ein zeitgemäßes Fahrzeug angesehen werden.

Commerz Finanz: Welche Funktionen werden Ihrer Einschätzung nach vom Kunden favorisiert?

Alexander Bugge: Zunächst sind für den Verbraucher Funktionen relevant, die er aus der Nutzung im Auto schon kennt, die aber durch Connected Cars besser werden oder auf ein neues Niveau gehoben werden. Beispiele hierfür sind die Navigation, Stauinformationen und das Abspielen von Musik über Streaming-Dienste aus dem Smartphone.

Das vernetzte Auto wird langfristig ganz neue Features bieten, die wir heute noch gar nicht kennen oder erleben können, wie zum Beispiel das vollständig autonome Fahren. Den Nutzen werden sich die Verbraucher dann erschließen, wenn sie es erleben können.

Commerz Finanz: Sind Ihre Kunden dem vernetzten Auto gegenüber durchweg positiv eingestellt oder zeigen sie sich auch skeptisch? Was sind die Sorgen der Kunden?

Alexander Bugge: In Deutschland ist die Skepsis gegenüber dem Datenverkehr, der mit der Vernetzung einhergeht, im Vergleich deutlich weiter verbreitet als in anderen Ländern. Das ist aus meiner Sicht aber keine große Hürde. Die Verbraucher werden sich an die vernetzten Funktionen gewöhnen, wenn sich diese etabliert haben. Dies gilt auch für die damit verbundene Datenübertragung. Wichtig ist, dass der Nutzen für den Verbraucher deutlich wird – zum Beispiel, wenn Mängel am Auto auslesbar sind und der Hersteller seine Kunden schnell kontaktiert. Noch vorhandene Vorbehalte gegenüber autonomen Fahrfunktionen werden sich wandeln, wenn die Kunden das autonome Fahren erleben können.

Commerz Finanz: Welche Vorteile des autonomen Autos sehen Sie?

Alexander Bugge: Durch die autonomen Autos kann man auf täglichen Fahrten wie auf der Fahrt zur Arbeit viel bessere Dinge tun, als sich im Stau am Lenkrad festzuhalten. Ähnliches gilt für Langstreckenfahrten. Das autonome Fahren kann uns in dieser hektischen Welt etwas Zeit zurückgeben. In einem geschlossenen Raum mit Privatsphäre kann der Passagier die Zeit noch besser nutzen als in öffentlichen Verkehrsmitteln.

Für verschiedene Personengruppen entstehen ganz neue Möglichkeiten. Ältere Menschen zum Beispiel, die vielleicht gar nicht mehr Auto fahren können, erhalten neue Mobilitätsperspektiven. So entstehen für die Automobilindustrie ganz neue, interessante Zielgruppen, die heute als Fahrer ausscheiden, aber eine lange Vita als Autonutzer haben.

Commerz Finanz: Und welche Herausforderungen sehen Sie?

Alexander Bugge: Viele Verbraucher können sich das autonome Fahren gar nicht vorstellen. Zunächst einmal muss das Fahrgefühl flächendeckend erlebbar gemacht werden. Mit der Markteinführung werden in den ersten Jahren – wie auch bei Elektroautos – höhere Preise verbunden sein. Umso wichtiger wird es, den Nutzen für den Einzelnen gezielt zu kommunizieren.

Die Automobilindustrie steht vor der Herausforderung, dass künftig weniger Fahrzeuge gebraucht werden. Kann ich das eigene Fahrzeug anderen viel einfacher zur Verfügung stellen, wird der klassische Zweitwagen vermutlich nicht mehr notwendig sein. Während ich arbeite, kann ich der Familie das Auto für private Fahrten einfach vorbei schicken. Auch Carsharing wird noch einfacher werden. Das hat natürlich auch Auswirkungen auf die Taxi-Branche, die voraussichtlich mit Rückgängen rechnen muss. In ein paar Jahrzenten wird sich dann auch die Frage stellen, wie wichtig der Besitz eines eigenen Autos noch ist.

Commerz Finanz: Was glauben Sie, wie werden Ihre Kunden die neue Art des Autofahrens aufnehmen?

Alexander Bugge: Wenn die Verbraucher die neue Art des Autofahrens erleben können, werden sie autonome Autos haben wollen. Wie in allen Branchen gilt dies zunächst für die Innovatoren. Ähnlich wie bei den Mobiltelefonen wird es aber nicht lange dauern, bis die Mehrheit nachzieht. Ich gehe davon aus, dass autonome Autos in knapp zehn Jahren flächendeckend eingeführt sein werden.

Commerz Finanz: Wer ist aus Ihrer Sicht prädestiniert, ein autonomes Auto zu entwickeln und auf den Markt zu bringen? Traditionelle Autohersteller oder neue Player wie Google, Apple und Co. Und warum?

Alexander Bugge: Derzeit wird sowohl von den traditionellen Autoherstellern als auch von IT-Unternehmen intensiv an der Entwicklung autonomer Autos gearbeitet. Anders als die existierenden Hersteller werden Unternehmen wie Google disruptiv an das Thema Autofahren rangehen und kein klassisches Fahrzeug verkaufen. Denkbar ist eher, dass sie einen anderen Aspekt in den Vordergrund stellen, indem Sie zum Beispiel das Fahrzeug zu einer Dienstleistung machen – durch eine neue Art von Carsharing oder Taxi.

Commerz Finanz: Wann glauben Sie autonome Autos flächendeckend eingeführt?

Alexander Bugge: In knapp 10 Jahren

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